Als wir am 18. September das Brandenburger Tor erreichten, konnten wir es selbst noch nicht fassen, dass wir es geschafft hatten. Insgesamt 850 Kilometer hatten wir in den zwei vorangegangenen Wochen zurückgelegt – natürlich mit dem Fahrrad! Denn mit unserer Demo “Ohne Kerosin Nach Berlin” wollten wir ein Zeichen für einen klimafreundlicheren Verkehr setzen

Die Idee gab es schon seit Anfang des Jahres. Acht Monate lang haben wir von den Students For Future Köln an der Planung gearbeitet, bis wir am 04.09. mit etwa 50 Teilnehmenden vom Kölner Dom aus gestartet sind. Unser Ziel: natürlich die Bundeshauptstadt! 

Auf dem Weg dorthin haben wir jeden Tag eine Strecke von 50 – 80 Kilometern zurückgelegt. Bei Wind und Wetter, Hitze, Schotter- und sogar Sandwegen die Pedale durchzutreten, hat uns einiges abverlangt. Aber die Gelegenheit, auf dem Weg nach Berlin in Städten wie Münster und Magdeburg, aber auch vor Datteln 4 und anderen Kraftwerken zu protestieren, wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. So hatten wir stets die besten Kulissen, um unsere Forderungen an die Öffentlichkeit zu tragen. 

Bei unserem Protest mit dem Fahrrad stand natürlich die Forderung nach einer Verkehrswende im Vordergrund. Da der Verkehr bundesweit der drittgrößte CO2-Verschmutzer ist, muss in der Politik hier ein Umdenken stattfinden. Um die CO2-Emissionen zu verringern, fordern wir sowohl einen umfassenden Ausbau der Fahrradinfrastruktur, als auch des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs! Auf lange Sicht muss dieser kostenfrei werden, sodass alle Menschen ihr Recht auf Mobilität in Anspruch nehmen können. Genauso wichtig ist uns aber, dass die Finanzierung dieses Aus- und Umbaus nicht auf dem Rücken der Beschäftigten, sondern gesamtgesellschaftlich getragen wird!

Auch wenn unsere Aufmerksamkeit während des Radelns natürlich zum größten Teil der aktuellen Verkehrspolitik galt, haben wir uns auch mit der Rolle von Energie und Landwirtschaft in der Bekämpfung der Klimakrise auseinandergesetzt. Bei dem Protest vor Kohlekraftwerken und beim Besuch einer Windkraftanlage in Lehrte haben wir unsere Forderungen nach einem Kohleausstieg bis 2030 und eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2035 in die Öffentlichkeit getragen. 

Nachdem wir in diesem Jahr den dritten Dürresommer in Folge erleben mussten, war es sehr spannend, sich mit Landwirt*innen auszutauschen, die schon jetzt unmittelbar von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. In Wülfrath, Telgte bei Münster und in Hagenburg am Steinhuder Meer durften wir uns über die Höfe führen lassen und mit den Landwirt*innen über Klimagerechtigkeitsfragen diskutieren. Kleinere Landwirtschaftsbetriebe sehen sich immer geringeren Überlebenschancen gegenüber. Daher muss die EU unbedingt damit beginnen, nachhaltige und regionale Produkte zu subventionieren!

Trotz all der spannenden Erfahrungen, die wir während der Tour sammeln durften, war der Höhepunkt wohl unsere Ankunft in Berlin. Nachdem wir am Wannsee von der OG Berlin mit einem frisch gekochten, veganen Mittagessen in Empfang genommen worden sind, haben wir an einer Fahrrad-Demo über die A115 teilgenommen. Das Gefühl, als Teil eines riesigen Fahrrad-Korsos über eine komplett gesperrte Autobahn zu radeln, sodass Autofahrer*innen teilweise bis zu drei Stunden im Stau stehen mussten, war unbeschreiblich. Gemeinsam mit etwa 500 Menschen sind wir danach über Berlins Hauptplätze und -straßen bis zum Brandenburger Tor geradelt, wo „Ohne Kerosin Nach Berlin“ den krönenden Abschluss gefunden hat.

Nach diesen zwei wunderschönen Wochen hoffen wir, viele Menschen mit unseren Forderungen erreicht zu haben. Auf jeden Fall zeichnet sich bereits jetzt ein Zuwachs bei den Students For Future Köln ab und wir rechnen fest damit, viele Gesichter im nächsten Jahr wiederzusehen, wenn wir den Protest für Klimagerechtigkeit erneut durch das ganze Land tragen!

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