Grundlagen zur Klimakrise

Die globale Erderwärmung ist eine existenzielle Krise. Handelt die Menschheit weiter wie bisher, wird sich die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhundert um drei bis vier Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmen. Mit katastrophalen Folgen für die Ökosysteme dieses Planeten und die menschliche Zivilisation. Weite Teile der Erde wären dann weder bewohnbar noch landwirtschaftlich nutzbar. Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir in diesem Szenario nur noch eine Milliarde von dann zehn Milliarden Menschen auf unserem Planeten werden ernähren können.

Mehr zum Treibhaus-Effekt.

Doch selbst, wenn die Menschheit ihre Treibhausgas-Emissionen deutlich senkt, ist das Risiko groß, dass uns dies nicht schnell genug gelingt, um zu verhindern, dass wir rote Linien im Klimasystem überschreiten. Wenn das passiert, wird das Klima unwideruflich kippen. Die Folge wäre ein Dominoeffekt, der die Erde in eine Heißzeit treibt – mit langfristigen Temperaturerhöhungen von fünf bis sechs Grad. Auch in diesem Szenario landen wir bis zum Ende des Jahrhunderts in einer Welt, in der die Temperatur um drei bis vier Grad höher liegt als im vorindustriellen Zeitalter.

Mehr zu den Kippelementen.

Um diese Teufelsspirale zu verhindern, müssen wir die Erderwärmung gemäß des Pariser Klimaschutzabkommens auf 1,5 Grad begrenzen. Hierfür haben wir noch ein Restbudget von ca. 360 Gigatonnen CO2 (Stand Dezember 2019), das wir bei gleichbleibenden Emissionen in ca. 8 Jahren verbraucht haben werden. Und selbst bei Einhaltung dieses Emissionsbudgets haben wir nur eine 50%ige Chance, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Daher müssen wir rasch handeln und unsere Emissionen drastisch reduzieren. Je mehr Zeit wir uns lassen, desto unwahrscheinlicher wird es, den Klimakollaps zu verhindern.

Mehr zum Pariser Klimaschutzvertrag.

Die Klimakrise

Die Klimakrise ist die wohl größte Herausforderung, der die Menschheit jemals gegenüber stand. Auf diesen Seiten möchten wir aufklären über Ursachen, Folgen und Handlungsmöglichkeiten.

“Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.”

Greta Thunberg

Der Treibhauseffekt

Treibhausgase wirken wie Glasscheiben eines Gewächshauses. Sie sind durchlässig für energiereiche kurzwellige Sonnenstrahlen, aber sie reflektiert langwellige Wörmestrahlung. Je mehr Wärme zurück auf die Erde reflektiert wird anstatt ins Weltall abzustrahlen, desto mehr erwärmt sich die Erde.

Durch das Verbrennen fossiler Energieträger hat der Mensch die Treibhausgaskonzentration in den letzten 140 Jahren in drastische Höhen gesteigert. Das hierfür verantwortliche Kohlendioxid verbleibt durchschnittlich 120 Jahre in der Atmosphäre. Jedes weitere Kohlendioxid-Molekül, das wir der Atmosphäre hinzufügen, verstärkt den Treibhauseffekt.

Wir haben aktuell eine globale CO2-Konzentration von 0,041% – so hoch wie seit mehreren Millionen Jahren nicht mehr. Daraus resultiert die aktuelle Erderwärmung von 1 Grad Celsius. Die Folgen sind bereits heute spürbar, Krise nicht mehr abstrakt sondern real und bedrohlich: Unwetter, Dauerregen, Hitzewellen, Dürren, schmelzende Gletscher, ausgetrocknete Gewässer, Wüstenbildung, steigende Meerespiegel, Vegetationsverlust, Artensterben.

Diese Entwicklungen werden sich beschleunigen und sie werden sich nicht linear vollziehen sondern sich ab einem bestimmten Punkt exponentiell steigern.

Kipp-Elemente

Kipp-Elemente sind Ökosysteme, die ab einer bestimmten Erderwärmungsschwelle unwiderruflich in einen neuen Zustand kippen können. Diese Element stehen in Wechselwirkung zueinander und wird eine rote Linie übertreten, kann das einem Domino-Effekt auslösen, der zum Kollaps des gesamten Systems führt. Schon ab einer Erderwärmung von 1,5 Grad kommt das Klimasystem in diesen Hochrisiko-Bereich. Daher ist es so wichtig, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten.

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Quelle: Potsdamer Institut für Klimfolgenforschung

Das Pariser Klimaschutzabkommen

Im Pariser Klimaschutzabkommen haben sich alle Nationen der Welt auf das Ziel verpflichtet, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich unter 1,5 Grad. Die Notwendigkeit, das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, hat der Weltklimarat in seinem Sonderbericht aus dem Jahr 2018 eindringlich deutlich gemacht, in dem er die Kipp-Elemente des Klimasystems in den Blick nimmt. Verbesserte Klimamodelle und neue Daten haben in der Vergangenheit regelmäßig dafür gesorgt, dass der Weltklimarat seine zu konservativen Prognosen korrigieren musste. War er vor 20 Jahren noch davon ausgegangen, dass Ökosysteme erst ab einer Erwärmung von fünf Grad kippen können, geht er nun davon aus, dass wir bereits aber einer Erwärmung von 1,5 Grad in diesen Risiko-Bereich gelangen.

CO2-Verursacher

Energiebedingte Treibhausgasemissionen nach Sektoren in Deutschland (2017, Quelle: UBA)

Politische Lösungen

“System Change not Climate Change!”, ist eine der zentralen Losungen der 4Future-Bewegung. Doch wie muss sich das System ändern, damit die Nationen die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens noch erreichen? Welche politischen Instrumente stehen zur Verfügung, um den Techniktransfer zu beschleunigen und nachhaltiges Wirtschaften und Konsumieren zu befördern?

CO2-Preis

Eine der Hauptforderungen von Fridays for Future Deutschland ist ein CO2-Preis in Höhe von mittelfristig 180 Euro pro Tonne CO2. Hintergrund sind Berechnungen des Umweltbundesamts, das die Kosten ermittelt hat, die eine heute emittierte Tonne CO2 in der Zukunft durch Präventionsmaßnahmen und Klimawandelfolgeschäden verursachen wird. Damit nicht unsere Kinder und Enkel für diese Kosten aufkommen, müssen sie bei der Produktion eingepreist werden.

Ge- und Verbote

Fridays for Future Deutschland verlangt von der Politik, die Ziele des Pariser Klimaschutzvertrags umzusetzen. Nicht mehr und nicht weniger. Fridays for Future propagiert explizit keine Verbotspolitik. Aber die Politik muss sich die Frage stellen, ob sich die ehrgeizigen aber dringend notwendigen Ziele ohne drastische Regulierungen überhaupt umsetzen lassen.

Ge- und Verbote sind ein massiver Einschnitt in die Freiheitsrechte von Unternehmen oder Bürgern, in Abwägung mit anderen schützenswerten Gütern aber manchmal ein notwendiges Mittel, um Fehlentwicklungen zu stoppen.

Dabei gibt viele Beispiele für Regulierungen oder Verbote, die bei ihrer Einführung kontrovers diskutiert und nur gegen erheblichen Druck von Verbrauchern und Industrie eingeführt werden konnten, uns heute aber völlig selbstverständlich scheinen:

  • Anschnallpflicht (1975)
  • Tempo 30-Zonen in Wohngebieten (1983)
  • FCKW-Verbot zur Schließung des Ozonlochs (1987)
  • Katalysatorpflicht und Rauchgasentschwefelungspflicht gegen Smog (1989)
  • Verpackungsverordnung mit Rücknahmepflichten für Hersteller gegen Müllflut (1991)
  • Dosen- bzw. Einwegpfand (2003)
  • Rauchverbot (2007)
  • Glühbirnenverbot (2009)

Befürchtungen, Ge- oder Verbote würden die Wirtschaft überlasten und zur Deindustrialisierung beitragen, sind nie eingetreten. Im Gegenteil hat sich gezeigt, dass gesetzliche Eingriffe technische Innovationen überhaupt erst ermöglichen. So hat das Verbot der Glühbirne die Entwicklung der LED-Leuchte zur Reife gebracht. Sie verbrauchen im Vergleich zur herkömmlichen Drahtglühbirne 80% weniger Energie.

Die EU reguliert laufend den Energieverbrauch von Elektrogeräten und zwingt die Industrie damit zu neuen Innovationen. So dürfen zum Beispiel seit 2018 nur noch Staubsauger mit 900 Watt-Leistung verkauft werden – früher waren 2000 Watt-Staubsauger üblich. Trotzdem sind Wohnungen deshalb nicht weniger sauber und auch die meisten Staubsaugerhersteller existieren noch. Verbote machen erfinderisch.

Daher muss gelten: Kein Denkverbot bei Verboten!

Folgende Verbote waren und sind Teil der aktuellen politischen Debatte:

  • durchgängiges Tempolimit auf Autobahnen
  • Verbot von Einwegplastik-Geschirr und Strohhalmen
  • Verbot von Inlandsflügen

Subventionen

Subventionen können den technischen Wandel ebenfalls befördern. Sie gelten aber als weniger effektiv als Verbote oder Bepreisungen. Denn es ist schwierig einzuschätzen, welche Technologie sich am Ende am Markt durchsetzen wird und ob sie ohne Subventionen langfristig überlebensfähig ist. Gleichzeitig sind Subventionen teuer.

Ein Beispiel ist das erneuerbare Energien-Gesetz. Zwar ist es Deutschland damit gelungen, den Ausbau der erneuerbaren Energien auf einen Anteil von heute knapp 40% am deutschen Strommix zu steigern. Gleichzeitig sind die Strompreise in Deutschland die höchsten in ganz Europa.

Aktuell engagiert sich Deutschland stark in die Förderung der Elektromobilität – durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur und durch eine E-Autokaufprämie in Höhe von 6.000 Euro.

Technische Lösungen

Die Scientists for Future sind sich einige: Die technischen Lösungen für die Klimakrise liegen in der Schublade. Jetzt muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit diese eine Chance bekommen, sich am Markt zu etablieren.

Energiewende

Der wichtigste Baustein für die Bewältigung der Klimakrise ist die Energiewende: weg von den fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien. Verschiedene Studien gehen davon aus, dass dieser Umbau in wenigen Jahren vollzogen werden kann und sich sogar volkswirtschaftlich innerhalb einer kurzen Zeitspanne amortisiert. Gemessen an den Stromgestehungskosten ist Photovoltaik bereits heute die günstigste aller Energieformen. Und in diesem Vergleich sind die versteckten Kosten der fossilen Energieträger noch nicht mal eingerechnet.

Die Politik muss durch Investitionen in die Strominfrastruktur und durch eine angemessene CO2-Bepreisung für Rahmenbedingungen sorgen, die die Energiewende ermöglichen.

Verkehrswende

Grundsätzlich muss fossiler Energieverbrauch durch CO2-Bepreisung verteuert werden. Durch die Einnahmen können klimafreundliche Alternativen subventioniert werden. Konkrete Maßnahmen:

  • Stärkung des öffentlichen Personenverkehrs durch Ausbau des Schienennetzes und Subventionierung von Bahntickets
  • PKW: Verdrängung von Verbrennungsmotoren durch Elektromobilität
  • LKW und Dieselzüge: Wechsel auf Brennstoffzellen-Technologie
  • Verdrängung von Inlandsflügen durch Schienenverkehr
  • Langstreckenflüge und Schiffverkehr mit synthetischen Kraftstoffen, klimaneutrale Herstellung z.B. durch Methanol-Inseln

Agrarwende

  • Stärkung von ökologischer Landwirtschaft. Studien zeigen, dass ökologische Landwirtschaft effizienter ist als konventionelle Landwirtschaft
  • In vitro-Fleisch und Fleischersatzprodukte aus Pflanzenproteinen können laut Studien bis zum Jahr 2030 einen Marktanteil von 40% erreichen. Diese Produkte können staatlich gefördert werden.
  • Freiwerdende Ackerflächen können renaturiert werden.
  • Förderung von regionalen und saisonalen Produkten.

Modernes Bauen

  • besser Dämmen
  • Heizen mit Wärmepumpen

Negative Emissionen

  • Renaturierung von Ackerflächen
  • Aufforstung von Wäldern
  • CO2-Filteranlagen, z.B. serienmäßig in Klimaanlagen

Geo Engineering

umstritten, da nicht ausgereift und hinsichtlich von unbekannten Nebenwirkungen aufs Klimaysystem sehr riskant.

  • Düngung von Algen zur CO2-Aufnahmen durch Eisen
  • Verdunkelung der Sonne durch Spiegel im Weltall
  • Ausbringung von Schwefeldioxid in der Atmosphäre, um Sonnenstrahlen zu reflektieren
  • versiegelte Flächen aufhellen, um Albedo-Effekt zu erhöhen

CO2 Fußabdruck verringern

Der CO2-Fußabdruck ausgewählter Lebensmittel

ProduktCO2-Emissionen (in g pro kg Lebensmittel)
Butter23800
Rindfleisch13300
Hartkäse8500
Rohwurst8000
Sahne7600
Schweineschinken4800
Geflügel3500
Schweinefleisch3250
Eier1950
Quark1950
Frischkäse1950
Margarine1350
Joghurt1250
Milch950
Mischbrot750
Brötchen650
Weißbrot650
Äpfel550
Erdbeeren300

Quelle: Pendos CO2-Atlas