Klimakiller Zement

Die Zementindustrie sorgt für 8 % der weltweiten CO₂-Emissionen und heizt damit die Klimakrise weiter an. Dennoch wird sie in der Klimadebatte bisher fast nicht beachtet, geschweige denn reguliert. Hinzu kommen erhebliche Menschen- und Völkerrechtsverletzungen der Zementindustrie, insbesondere des größten deutschen Zementherstellers HeidelbergCement, auf der ganzen Welt.
Als größter deutscher und weltweit zweitgrößter Zementhersteller trägt HeidelbergCement maßgeblich zu den Umweltschäden der Zementindustrie bei. Dennoch bemüht sich das Unternehmen um ein sauberes, grünes Image. Tatsächlich ist HeidelbergCement aber, neben RWE, der größte CO₂-Produzent in Deutschland.

HeidelbergCement vs. Mensch und Umwelt

HeidelbergCement schädigt nicht nur die Umwelt, sondern bricht für den Profit auch Völker- und Menschenrecht. In der Westsahara, die Marokko seit 1975 gebietsweise völkerrechtswidrig besetzt hält, verstößt HeidelbergCement gegen internationales Recht, indem der marrokanische Tochterkonzern „Ciments du Maroc“ dort Rohstoffe abbaut. Und das, obwohl die EU den Einbezug der Westsahara in Handelsabkommen verbietet und auch die deutsche Bundesregierung sich klar gegen wirtschaftliche Aktivitäten deutscher Unternehmen in dieser Region stellt. Land wie Rohstoffe gehören nicht Marokko, nicht „Ciments du Maroc“, nicht HeidelbergCement – sondern den vertriebenen Saharauis, die seit der Besetzung ihres Landes in Flüchtlingscamps leben. Der Problematik ist sich HeidelbergCement bewusst, denn Zementwerke werden bewusst in Marokko platziert, der Rohstoffabbau aber erfolgt in der Westsahara.

In Togo wiederum verschmutzt HeidelbergCement die Umwelt, enteignet ganze Bevölkerungsgruppen ohne Entschädigung und sorgt für Abwanderung und Vertreibung. Der Konzern ist einer der größten Auslandsinvestoren in Togo und betreibt dort auf Kosten der lokalen Bevölkerung Kalksteinabbau und Klinkerherstellung. Dadurch werden Wildtiere vertrieben, Ökosysteme zerstört und Luft, Boden und Wasser verschmutzt. Berichten zufolge werden die Arbeiterinnen dort unter sehr prekären Bedingungen beschäftigt: Überstunden und Mindestlohn werden nicht bezahlt und protestierende Arbeiterinnen entlassen. Um auf die gravierenden Probleme aufmerksam zu machen, fanden in Heidelberg bereits Demos statt.

Trotz strengerer Umweltauflagen werden auch in Europa Ökosysteme und Wasserkreisläufe zerstört und trotz ausgeklügelter Filtertechnik ist der Ausstoß an Staub sowie Stick- und Schwefeloxiden noch immer hoch. Und statt gegen die gigantischen CO-Emmissionen vorzugehen, unterstützt die EU ausgerechnet die Zementindustrie weiterhin mit kostenlosen Emmissionszertifikaten. Die gesamte Branche hat in den vergangenen Jahren durch die kostenlosen Zertifikate mehrere Milliarden Euro zusätzlichen Gewinn gemacht. Das muss ein Ende haben!

Zukunft statt Zement!

Für jede Tonne Zement werden allein für den zur Herstellung benötigten Kalkstein 400 kg CO₂ ausgestoßen. Doch Alternativen sind vorhanden! Ein Großteil unserer Bauindustrie beruht auf Beton. Zu dessen Herstellung ist ein Bindemittel notwendig, meist wird Zement genutzt. Um die Klimabilanz zu verbessern, können alternative Bindemittel zum Einsatz kommen, z.B. organische Geopolymere. Sie besitzen eine bessere CO₂-Bilanz und höhere Hitzebeständigkeit – nachhaltige Alternativen zu Zement existieren also bereits.

Zudem ist es essentiell – und durchaus möglich – weniger Beton zu nutzen oder ganz auf den Einsatz von Beton zu verzichten. Holzhäuser sind eine echte und bewährte Alternative zu Gebäuden aus Beton. Holz ist natürlich, nachwachsend und nachhaltig, seine Materialeigenschaften sind Leichtigkeit und hohe Belastbarkeit. Als Kohlenstoffspeicher entziehen Holzhäuser der Atmosphäre dauerhaft schädliches CO₂. Holzbau trägt damit aktiv zum Klimaschutz bei. Holz ist neben anderen nachwachsenden Ressourcen als Baustoff längst nutzbar. Ein Beispiel für Holzbauweise in großem Stil ist das selbstverwaltete Wohn-, Bildungs- und Kulturprojekt CollegiumAcademicum in Heidelberg.

Es ist die Masse, in der Beton und damit auch Zement genutzt wird, die uns dazu zwingt, nach Verbesserungen und Alternativen zu suchen. Als Gesellschaft müssen wir Konsequenzen aus den schädlichen Nebeneffekten der Zementnutzung ziehen, das Bauen überdenken und aktiv handeln. Neben dem Einsatz von weniger klimaschädlichen Baustoffen müssen wir für einen geringeren CO₂-Ausstoß mehr recyceln und alte Gebäude wieder aufwerten. Die Architects4F beschäftigen sich mit Alternativen. Zudem sollte man auch hinterfragen, ob jedes Bauvorhaben wirklich notwendig ist.

Weitere Informationen und Quellenangaben auf http://hdc.xrhd.de/

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