Denjenigen unter uns, die Kinder haben, kommt die folgende Szene wahrscheinlich bekannt vor. Wer keine Kinder hat, erinnert sich vielleicht an die eigenen Kindheit.

Das Essen steht auf dem Tisch, es gibt Rosenkohl, oder Blumenkohl, Wirsing, Oliven oder Sprossen. Die Kinder rümpfen die Nase. „Das mag ich nicht!!!“ Die meisten werden an die Neugierde der Kinder appellieren und antworten „Probier es doch wenigstens mal!“

Szenenwechsel

Treffen mit Freund*innen, es gibt Kaffee. Eine Person fragt nach Milch und ich biete ihr Hafermilch an. Eine Alternative hätte ich auch gar nicht. Wieder eine gerümpfte Nase „ Hafermilch, das schmeckt doch nicht!“ Auch in diesem Fall versuche ich an die Neugierde zu appellieren, es doch wenigstens mal zu probieren. Aber es gibt auch positive Momente, wenn bei der Weihnachtsfeier die Kollegen, die das Fleisch-Menü bestellt haben, mit jedem Gang neidvoll auf die vegetarischen Teller schauen und erstaunt feststellen, dass diese viel vielfältiger und bunter sind und sie beschließen, dass nächste Mal doch vegetarisch zu bestellen.

Warum ich das alles erzähle? Weil Essen politisch ist.

Die industrielle Landwirtschaft, insbesondere die Tierfutter- und Fleischindustrie, überlastet unseren Planeten und trägt somit maßgeblich zur Klimakrise bei, denn sie verursacht rund ein Drittel aller weltweit ausgestoßenen Treibhausgase. Doch trotz Ernteausfällen aufgrund von Extremwettern und Überschwemmungen, die eindeutig Vorboten des Klimawandels sind, ist ein Umdenken der großen, konventionellen Betriebe kaum zu erkennen.
Hinzu kommt, dass in der konventionellen Landwirtschaft häufig in Monokulturen angebaut wird und eine brisante Mischung an Pestiziden, die zum Teil gesundheitsschädlich sind, auch unseren so wichtigen Insekten das Leben schwer machen. Ein Artensterben ist so nicht zu verhindern.

Das Vieh wird meist in viel zu kleinen Boxen gehalten, unter zum Teil erschreckenden Umständen. Dort bekommt es Sojafutter, welches vorher einmal um die halbe Welt transportiert wurde, und, nicht zu vergessen, eine ordentliche Portion Antibiotika.
Hinzu kommt dann noch, dass als Tierfutter genutztes Getreide und Soja für die menschliche Ernährung fehlt – schon jetzt wird zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt die weltweite Getreideernte der ohnehin vielfach übernutzten Böden nicht reichen, um den Nahrungsbedarf der Weltbevölkerung zu decken.

Doch wir alle müssen uns ernähren. Was nun?

Die Lösung kann nur eine ökologische Landwirtschaft sein. Unser Planet muss nachhaltig bewirtschaftet werden, statt die Ressourcen auf Kosten zukünftiger Generationen und auf Kosten der Menschen in ärmeren Ländern zu verbrauchen.
Prüft man die verschiedenen Ernährungsweisen auf ihre CO2-Bilanz, dann sieht man schnell, dass man durch Verzicht auf tierische Produkte ca 84% der CO2-Emissionen einsparen und maßgeblich zu einer gerechteren Verteilung von Lebensmitteln beitragen kann, im Vergleich zu einer fleischlastigen Ernährung. Prüft es gerne durch einen CO2- oder Fleischrechner im Internet.

Doch ich will hier nicht predigen, dass wir alle Vegetarier, oder noch besser Veganer werden müssten. Das muss jede, jeder für sich entscheiden. Ich bitte euch viel mehr, überdenkt, was auf eure Teller kommt und wie es dorthin gelangt ist, wie es angebaut oder gehalten wurde.
Essen ist politisch, deshalb seid politisch und nutzt eure Macht als Verbraucher!

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