Ja aber mein Geldbeutel!

Warum sollen wir denn etwas für den Klimaschutz tun? Die Klimakrise betrifft uns hier doch gar nicht:

Klimakrise ist nicht nur ein Thema der Zukunft: In Entwicklungsländern wirkt die Klimakrise heute schon…

Gepostet von Fridays for Future Deutschland am Sonntag, 9. Februar 2020

Das Thema scheint also weit genug weg zu sein. Wir können ein kurzes Bedauern äußern und zum Business as usual zurück kehren. Was soll uns hier in Europa schon passieren?

Wenn da nicht die Unkenrufer wären. Larry Fink beispielsweise. Der Blackrock Gründer war was Klimaschutz angeht bislang eher unauffällig. Und dann haut er im Januar 2020 einen Brief raus, der es in sich hat:

  • Als im vergangenen September Millionen Menschen auf die Straße gingen, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu fordern, betonten viele von ihnen die erheblichen und dauerhaften Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand – ein Risiko, über das sich die Märkte bislang nur wenig Gedanken machten. Das Bewusstsein ändert sich jedoch rasant, und ich glaube, wir stehen vor einer grundlegenden Umgestaltung der Finanzen.
  • Jede Regierung, jede Firma und alle InvestorInnen müssen sich auf den Klimawandel einstellen.
  • Das Kapital wird sich neue Wege suchen, viel früher als alle denken.
  • Der Klimawandel ist zu dem bestimmenden Faktor für die langfristigen Perspektiven von Unternehmen geworden.
https://www.blackrock.com/uk/individual/larry-fink-ceo-letter

Gut, möglicher Weise ist das eine Einzelmeinung. Der bisherige Deutschlandmanager von Blackrock scheint sie nicht zu teilen und hat konsequenter Weise das sinkende Schiff verlassen und schwimmt zum rettenden Ufer einer potentiellen Kanzlerschaft.

Wir können ja auch mal schauen, was die echten Profis zu sagen haben. Schauen wir uns einmal an, was die Experten des Raubtierkapitalismus zu sagen haben: die wir-müssen-Leute-entlassen-holt McKinsey.


McKinsey – Climate risk and response, 01/2020

Der Bericht ist sehr monitär geprägt. Es geht um also um Assets, also Vermögenswerte, um Lebensqualität, Produktivität, Infrastruktur und Naturkapital. Menschenleben zählen halt auf einem balance sheet hinsichtlich ihrer Fähigkeit zu arbeiten und zu konsumieren, wir sind ja hier nicht bei altruistischen Soziologen. Deren komischen Sponti-Sprüche von der letzten Demo wie “Die Würde des Menschen ist unantastbar” oder “Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit” stören nur beim notwendigen Vermehren des Kapitals.

Mal gucken, was der Bericht so im Detail zu sagen hat. Wenn wir also weiter machen wie bisher sollten wir also mit folgenden Risiken rechnen:

Für uns ist das alles kein Problem. Wir sind ja versichert. Aon bringt zum Glück jedes Jahr einen Bericht heraus, wo das drin steht. Guck mal, die Punkte sind zum Glück bei uns und in den anderen Industrieländern.

https://www.aon.com/global-weather-catastrophe-natural-disasters-costs-climate-change-annual-report/

Alle anderen gucken in die Röhre. Elke Pickarz schreibt in der Wirtschaftswoche, dass arme Länder in ein “Insurance Gap” laufen, was dazu führe, dass sich die weltweite Ungleichheit noch weiter verschärfe.

Wissenschaftler kommen zu ähnlichen Erkenntnissen.

  • In einem fachbereichsübergreifenden Artikel kommen Solomon Hsiang und KollegInnen zu dem Resümé, dass pro Grad Temperaturanstieg die Wirtschaftsleistung um 1 Prozentpunkt zurückgeht [1].
  • Das Pro-Kopf Einkommen im Vergleich zu einer Entwicklung ohne Klimawandel gehe bis 2100 deutlich zurück. Die Wahrscheinlichkeit um mehr als 20% Rückgang wird mit 51% berechnet, mehr als 50% Rückgang werden mit 12% Wahrscheinlichkeit erwartet. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Weltwirtschaftskrise zu einen Rückgang von lediglich 15% der Wirtschaftsleistung geführt [2].

Zum Glück sind das nur Prognosen für das Ende dieses Jahrhunderts.

Hitzesommer 2018? Ach komm, das war doch nur schönes Wetter. Kann doch alles nicht so schlimm sein, oder?

https://www.heise.de/downloads/18/2/8/0/0/7/2/7/20-2-01_KRI_2020_-_Kurzzusammenfassung_7.pdf
https://www.spiegel.de/wirtschaft/waldschaeden-schadholzmenge-steigt-drastisch-an-a-1298060.html

Fazit: Der Klimawandel geht heute schon an unseren Geldbeutel und beeinflusst unsere Lebensqualität.

Alles nicht so schlimm, oder? Also genießen wir zum Feierabend ein leckeres Getränk.

Warten wir also weiter ab oder kämpfen wir zusammen um jedes zehntel Grad?


[1]: Solomon Hsiang, Robert Kopp, Amir Jina, James Rising, Michael Delgado, Shashank Mohan, D. J. Rasmussen, Robert Muir-Wood, Paul Wilson, Michael Oppenheimer, Kate Larsen, Trevor Houser: Estimating economic damage from climate change in the United States, Science 30 Jun 2017: Vol. 356, Issue 6345, pp. 1362-1369 DOI: 10.1126/science.aal4369

https://science.sciencemag.org/content/356/6345/1362.full

[2]: Burke, M., Hsiang, S. & Miguel, E. Global non-linear effect of temperature on economic production. Nature527, 235–239 (2015).

https://doi.org/10.1038/nature15725

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