Offener Brief an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

wir möchten uns bedanken.

Bedanken für Ihr unermüdliches Arbeiten zur Eindämmung der Corona-Pandemie, Ihr Mahnen und Ihre Zuversicht, dass wir diese enorme Herausforderung gemeinsam bewältigen werden.

Als Eltern wissen wir was es heißt, Verantwortung für andere zu übernehmen. Wir müssen unseren Kindern erklären, warum sie Maske tragen müssen, warum Freizeitsport und Kino ausfallen, warum keine Übernachtungspartys möglich sind und warum wir Oma und Opa nicht besuchen dürfen. Wir versuchen unsere Kinder zu überzeugen, so gut es geht und wo es nicht geht, müssen wir Dinge mit der Gewissheit, das Richtige zu tun, verbieten.

Deggendorfer Zeitung, November 2020 (Ausriss)

Mit Ihrer Entscheidung vom 28.10., Kitas und Schulen offen zu lassen, helfen Sie unseren Kindern, ihre Zukunft zu sichern. Wir sind froh, dass die junge Generation lernen kann, sich vorbereiten kann auf ein erfolgreiches Leben nach der Schule. Unsere Sorge, dass unsere Kinder als „Corona-Generation“ mit schlechterer Schulbildung weniger berufliche Chancen haben könnten, haben Sie uns ein stückweit genommen.

Die Corona-Pandemie ist eine Krise. Sie wird vorbeigehen und unsere Gesellschaft wird sich wirtschaftlich, kulturell und sozial erholen.
Viel größere Sorgen aber macht uns die Veränderung unserer natürlichen Lebenswelt. Wir sehen mit unseren Kindern Nachrichten über Extremwetterereignisse, über Wasserknappheit auch in Deutschland, über schmelzendes Eis an den Polen und aussterbende Tiere. Wir Erwachsenen wissen, dass dies alles zu einem Großteil mit der Erderwärmung zu tun hat, mit einer klimatischen Veränderung, die wir selbst mit verursacht haben. Und unsere Kinder wissen es auch.

Wie sollen wir unseren Kindern erklären, dass wir viel zu wenig dafür tun, die Klimakatastrophe aufzuhalten?
Was sollen wir ihnen antworten, wenn sie uns fragen, warum wir ihnen wegen des Coronavirus viele Dinge, die sie lieben, untersagen und gleichzeitig unseren klimazerstörenden Lebensstil gesellschaftlich fortsetzen? Sollen wir ihnen sagen, dass nicht mehr möglich ist, als wir bisher tun?

Frau Dr. Merkel, Sie wissen sicher noch besser als wir, dass das nicht stimmt. Wir fahren kaum noch Auto, während die Straßen immer voller werden und Autobahnen gebaut werden. Wir essen kaum noch Fleisch, während die Agrarpolitik weitermacht wie bisher. Wir fliegen kaum noch, während die Luftfahrtindustrie Milliarden Euro bekommt. Unsere individuellen Anstrengungen reichen aber nicht, um die Klimakatastrophe aufzuhalten. Wir sind am Ende mit unseren Erklärungsversuchen
unseren Kindern gegenüber. Und wir wissen erst recht nicht mehr, was wir den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sagen sollen, die sich für den Klimaschutz engagieren.

Wir haben Angst vor dem Tag, an dem eine Bundeskanzlerin in einer Pressekonferenz uns einschneidende Maßnahmen für unser aller Leben verkündet, weil wir unwiederbringlich in den selbstverstärkenden Mechanismen der Erderhitzung gefangen sind. Wir haben große Sorgen, dass unsere Kinder und Enkel in Kämpfe um natürliche Ressourcen verwickelt werden, weil wir heute nicht die nötigen Maßnahmen ergreifen. Wir sind enttäuscht und frustriert, weil eine Chance nach der anderen,
die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen zu bewahren, vertan wird. Und das sehenden Auges, denn für alle genannten Punkte gibt es gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse.

Frau Dr. Merkel, wir sagen Ihnen unsere uneingeschränkte Unterstützung zu, wenn Sie endlich von Ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch machen und die Politik Ihrer Bundesregierung – die vorrangig in den Ministerien Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Umwelt völlig unzureichend agiert – auf das ausrichten, was jetzt wichtig ist: Tun Sie bitte alles dafür, die Klimaschutzziele des Pariser Übereinkommens von 2015 einzuhalten. Bekennen Sie sich öffentlich genauso zu dieser Verantwortung,
wie Sie es zurzeit zur Bekämpfung der Coronakrise tun.

Die Klimakatastrophe ist keine Krise. Krisen gehen vorbei. Die Klimaveränderung lässt sich nur verlangsamen, erträglicher gestalten. Wir tun, was wir können – bitte tun Sie, was Ihnen möglich ist!

Sie sagten am 28.10.2020 in Ihrer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie:

„Die Zahlen machen uns Sorgen.“, „Die Zahlen haben sich verdoppelt.“, „Es gibt einen exponentiellen Anstieg.“, „Wir nehmen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst.“ Und schlussendlich: „Und deshalb ist vollkommen klar: Wir müssen handeln und zwar jetzt. Und zwar müssen wir handeln, um eine akute, nationale Gesundheitsnotlage zu vermeiden. Wir wollen nicht in eine solche Notlage gelangen und dafür müssen wir Maßnahmen ergreifen.“

Wir fordern Sie – insbesondere im Namen unserer Kinder – auf, genau dieses zur Bekämpfung der Klimakatastrophe zu wiederholen!

Mit freundlichen Grüßen

Parents for Future Oberhausen
Parents for Future Köln

Weitere unterzeichnende Ortgruppen der Bewegung Parents for Future:

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