Träum weiter (VIII) … Degrowth? Jein!
Interessant für die Diskussion, ob Degrowth ein sinnvoller Weg ist, um eine Wirtschaft innerhalb planetarer Grenzen zu erreichen oder nicht, kann die Betrachtung der Entwicklung der CO2-Emissionen in Deutschland und der Entwicklung der Wirtschaftsleistung sein.
Hier sieht man die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland seit 1949:

Wenn man sich die Entwicklung anschaut, dann war der Peak 1979 mit 1355,7 Mt (Megatonnen). Vorher ist sie von der Nachkriegszeit an erheblich gestiegen, ähnlich der Entwicklung der Wirtschaftsleistung. Seit 1979 haben sich die Emissionen bis 2025 halbiert auf 639 Mt.. Markante Reduzierungen sind von 1979 – 1982, wohl infolge des Ölpreisschocks und ab 2016 bis 2025, wahrscheinlich infolge des Pariser Klimaschutzabkommens, wobei es durch Corona einen Wirtschaftseinbruch gab und 2024 erst wieder das wirtschaftliche Niveau von 2019 erreicht worden ist.
Seit 1979 hat sich gleichzeitig das BIP, d.i. die Wirtschaftsleistung, real verdoppelt (d.h. die Inflation ist berücksichtigt und herausgerechnet). Eine BIP-Einheit real wird heutzutage in Deutschland im Vergleich zu 1979 mit einem Viertel der Emissionen erreicht. Für den Vergleich ist aber auch zu beachten, dass im Zuge der Globalisierung schmutzige Produktionsprozesse ausgelagert worden sind, z.B. nach China.
Wenn man die Tertiärisierung, d.h. die Verlagerung der Wirtschaft in den Dienstleistungssektor, mit einrechnet, waren Ende der 70er noch 40% sekundärer Sektor, d.h. industrieller Sektor, derzeit sind es ca 25%. Wenn man das berücksichtigt, dann hätte die Effizienz um etwas weniger als das dreieinhalbfache zugenommen, wenn der Anteil des sekundären Sektors gleich geblieben wäre, d.h. keine industriellen Produktionsschritte ausgelagert worden wären. Aber auch der Dienstleistungssektor, z.B. Digitaltechnologie, Logistik verbraucht z.T. viel Energie. Seit den Nuller-Jahren ist der Energieverbrauch konstant. So dass das wiederum mit eingerechnet werden müsste. Letztlich käme es vorsichtig geschätzt darauf hinaus, dass eine BIP-Einheit heute mit etwas mehr als einem Viertel der Emissionen gegenüber 1979 produziert wird. Sogenanntes grünes Wachstum scheint also möglich.
Bleibt die Frage, ob das Tempo ausreicht. Nimmt man die durchschnittliche Reduktion seit 2016, wäre Deutschland rein rechnerisch 2048/2049 klimaneutral. Das Ziel ist 2045, für die EU 2050. Soweit liegt das nicht auseinander. Allerdings wird eine Reduktion wohl immer aufwändiger bzw. schwieriger.
Zugleich zeigt die Zusammenfassung einer Studie zu Degrowth, dass ein Wachstumsrückgang von 50% in den wohlhabenden Ländern nur zu einer Verringerung der Emissionen um lediglich 11% bis 2100 führt, weltweit würde Degrowth zwar zu einem Emissionsrückgang von 45% aber auch zu einem Wachstumsrückgang von 90% führen und damit zu einer starken Zunahme von Armut, sinkender Lebenserwartung und schlechteren Gesundheitsversorgung.
Wenn Degrowth, dann in den wohlhabenden Ländern, da ein Wachstumsrückgang nicht zu einer nennenswerten Erhöhung der Armut führt, wenn durch Maßnahmen wie Arbeitszeitverkürzung u.a. der Wohlstand gleichmäßiger verteilt wird. (https://de.statista.com/infografik/34878/modellierte-globale-auswirkungen-von-de-growth-massnahmen-auf-entwicklungsindikatoren/)
Der große Hebel wäre sicherlich eine gleichmäßigere Verteilung des Wohlstands, d.h. die Ergebnisse der Wirtschaftsleistung wären gleichmäßiger verteilt, die Mehrheit müsste nicht verzichten, nur die obersten Einkommensbezieher bzw. Vermögensbesitzer müssten verzichten und würden das im Alltag wahrscheinlich nicht mal merken.
Anders formuliert müssten wir auf denjenigen Teil der Wirtschaftsleistung und damit auf die Emissionen verzichten, der dazu dient, große Vermögen noch größer zu machen und der durch exessiven Überflusskonsum entsteht. Die Gewinne des Luxuskonsums kommen nämlich wiederum zum allergrößten Teil den Luxusfirmen und deren Besitzern zugute.
Es geht also nicht um eine Umverteilung von oben nach unten, sondern um eine Umverteilung von der Spitze in die Breite.
Datenquellen: Dena, Umweltbundesamt, Statista
U-P4F-K
