Seit einem Jahr gibt es KölleForFuture auf den Kölner Straßen – gegründet um deutlich zu machen: wir stehen an der Seite der Aktivist:innen von FridaysForFuture in ihrem Kampf für konsequenten Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Um deutlich zu zeigen: der Impuls, der von ihnen ausgeht, wirkt inzwischen in alle Altersgruppen hinein.

Wir kommen aus allen Generationen, haben unterschiedlichen sozialen Background, sind schon lange politisch aktiv oder setzen uns erst seit kurzem bewusst mit der Klimakrise auseinander. Was uns vereint sind unsere Forderungen: Wir fordern konsequenten Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Jetzt!

Vor einem Jahr starteten wir am 4.10. auf dem Alter Markt mit etwa 350 Menschen. Den ganzen Winter hindurch, bei Regen, bei Kälte waren wir freitagabends auf den Straßen. Die Parents, die Fridays, die Students, die Grannies, die Teachers, die Psychologists, Health for Future, Extinction Rebellion, unterstützt von den Scientists for Future und vielen weiteren Akteuren der Klimabewegung in und um Köln, die KölleForFuture mit gestaltet und mitgetragen haben: Klimawende Köln, Zero Waste, KRAKE, Grünsystem, Greenpeace Köln, Tihange abschalten, Alle Dörfer Bleiben, Buirer für Buir, Verkehrswende, Aufbäumen, Pappnasen Rotschwarz, Klaus der Geiger, KG Ponyhof, IGLU, FooDerStand, DGB, Kidical Mass, Gießt Kölle, Cologne Climate Save um mal so einige zu nennen…

JA- Da geht was in Köln! Und das wurde auch außerhalb unserer Stadt wahrgenommen. KölleFor Future ist Vorbild geworden für regelmäßige Abenddemos auch in München und in Berlin.

Dann kam die Pandemie. Und auch die hat uns nicht gestoppt. Seit März hat KölleForFuture immer neue Wege gefunden, pandemie-angepasst weiter zu machen.

Und heute sind wir hier und feiern Geburtstag!

Ein riesiges Dankeschön an euch alle! Die ihr heute hier seid! An alle, die im letzten Jahr, Teil von KölleForFuture waren! An alle, die mit gelaufen sind, mit organisiert haben, angemeldet haben, für Musik und Parolen gesorgt haben, die Fotos und Filme gemacht haben, Öffentlichkeitsarbeit, Plakate, Banner, Laternen, Lieder und an alle, die dabei sind, dabeibleiben, obwohl es schwer ist, obwohl es unbequem ist, obwohl es manchmal nass ist/war, obwohl es manchmal kalt ist/war –

Wir sind hier. Wir sind laut. Wir sind bereit, für eine klimagerechte Zukunft einzustehen

Und wir machen weiter solange es notwendig ist.

Denn wir wissen, dass eine klimagerechte Welt möglich ist, wenn wir dafür kämpfen.

Und wir kämpfen dafür, weil es um alles geht! Wir spüren es jetzt schon, wir sehen es schon: Brände in Kalifornien, in der Arktis, Überschwemmungen im Sudan, in Griechenland, in Frankreich und Italien, Hurrikans bisher nicht gekannter Ausmaße und Häufigkeit. Hitzewellen auch hier in unserer Stadt, Bäume, die um das Überleben kämpfen, weil sie nicht mehr genug Wasser bekommen, die krank werden und sterben.

Wie soll das werden? Wenn das die Auswirkungen sind bei einer Erwärmung von grade 1,2 Grad?

Es geht hier um alles. Um ein lebenswertes Leben für unsere Kinder und Enkel und alle kommenden Generationen. Es geht schlichtweg darum, ob unsere Erde bewohnbar bleibt!

Ich habe einen dreijährigen Sohn. Wenn er selbst alt genug ist, um politisch handeln zu können, werden die Weichen unwiderruflich gestellt sein. Er und alle Kinder heute sind abhängig von dem, was jetzt entschieden und getan wird.

Ihren Fragen werden wir uns in wenigen Jahren stellen müssen. Ihnen werden wir diese Zeit jetzt erklären müssen, erklären, was getan und was nicht getan wurde und wo wir selbst dabei waren.

Noch sind sie als Kinder voller Vertrauen in die Erwachsenen und in ihre Zukunft.

Kriegen wir als Gesellschaft die Kurve? Werden wir uns dieses Vertrauens als würdig erweisen?

Sind wir bereit, die Welt neu zu denken, neue Bilder und Visionen zu entwickeln davon, wie wir als Menschen zusammenleben können, klimaneutral und klimagerecht. Sind wir bereit zu tun, was es dafür braucht?

Das muss jetzt geschehen. Jetzt müssen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene Entscheidungen getroffen werden, die es noch möglich machen, das 1,5 Grad Ziel einzuhalten wie es in Paris vor fünf Jahren zugesagt worden ist. Am Dienstag wurde eine Studie des Wuppertaler Instituts dazu veröffentlicht, welche konkreten Maßnahmen dazu notwendig sind. Ergebnis: das erfordert in D eine Klimaneutralität bis 2035 statt wie von der Politik formuliert bis 2050. Ergebnis: das ist sehr ambitioniert, aber grundsätzlich möglich, wenn sich die politischen und gesellschaftlichen Kräfte in die gleiche Richtung bewegen.

Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, dass diese Studie nicht etwa von einer politischen Partei in Auftrag gegeben wurde, sondern von Fridays for Future?

Wir können der jungen Generation dankbar sein, die eine Verantwortung wahrnimmt, die eigentlich verdammt noch mal die Verantwortung von anderen wäre.

Wie kann es sein, dass die Politik da so hinterherhinkt?

Wo seid ihr, die politischen Vertreter:innen unseres Landes? Was sagt ihr dazu?

Wir werden nicht zulassen, dass die Zukunft unserer Kinder durch eine Politik aufs Spiel gesetzt wird, die in einem „Weiter wie bisher“ hängen bleibt.

Wir werden nicht nachlassen zu fordern:

Übernehmt die Verantwortung für das Abkommen, das ihr 2015 unterzeichnet habt!

Übernehmt die Verantwortung, die ihr kraft eurer Funktion auch für die jungen Menschen in diesem Land habt!

Wendet Schaden von den jungen und den künftigen Generationen ab und von den Menschen im globalen Süden, die der Klimakrise schon jetzt in viel stärkerem Maße ausgesetzt sind als wir.

Und lasst ihnen Gerechtigkeit widerfahren, indem ihr endlich konkret an die Umsetzung dessen geht, worauf sich Deutschland 2015 verpflichtet hat.

Wir werden immer wieder klarmachen: Weiter so war gestern!

Wir werden immer wieder den Finger dorthin legen, wo Antworten von gestern gegeben werden, wo in alten Bezugsrahmen gedacht wird,

zum Beispiel, wo Wälder für Autobahnen vernichtet werden, obwohl wir schon längst wissen: Mobilität braucht grundlegend neue Konzepte und wir brauchen jeden Baum.

Wo Kohle bis zum letzten Brocken abgebaggert werden soll, verfeuert werden soll, obwohl wir schon längst wissen: der Preis dafür ist heute der Verlust von Heimat für die dort lebenden Dorfbewohner:innen und übermorgen letztlich der Verlust der Heimat aller Menschen.

Ihr werdet uns nicht los!

Wir müssen die Kurve bekommen. Wir werden die Kurve bekommen. Es geht um alles. Es ist notwendig, es ist möglich und wir sind schon mittendrin. Bei der Kommunalwahl in NRW war der Klimaschutz das wahlentscheidende Thema. So dürfte es wohl auch bei der Bundestagswahl sein. Die Klimakrise geht nicht mehr weg. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung sorgt sich Umfragen zufolge beträchtlich wegen der Klimakrise – und das trotz Pandemie.

Die Verhältnisse verschieben sich. Die letzten Monate in der Pandemie haben gezeigt, wozu unsere Gesellschaft fähig ist, dass schnelles und konsequentes Handeln, wo es als notwendig und sinnvoll erachtet wird, Rückhalt in der Bevölkerung erfährt. Dass es einen demokratischen Diskurs gibt, der auch Gegenkräfte, Auseinandersetzungen und Konflikte aushält. Dass es in unserer Gesellschaft Solidarität gibt und eine große kreative Kraft!

Es wird eine große Herausforderung. Und wir werden nicht nachlassen. Denn es geht um alles.

Wir sind hier. Wir sind laut. Wir kommen wieder. Solange es notwendig ist.

Wir sind Kölle for Future.

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